Es gilt immer das gesprochene Wort
TOP 25 – Schulgeldfreiheit in den Gesundheitsfachberufen sicherstellen
Dazu sagt der Abgeordnete der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Lasse Petersdotter:
Die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen in Schleswig-Holstein kostenfrei zu stellen, war eine Investition in unsere Zukunft. Jamaika ist mit gutem Beispiel voran gegangen, weil der Bund nicht auf die Reihe bekommen hat, was eigentlich im Koalitionsvertrag stand. Jetzt gibt es neue Hoffnung: die Ampel wird das Problem grundlegend angehen und bundesweit einheitlich regeln.
Wir brauchen motivierte und engagierte Menschen in den Gesundheitsfachberufen, in der Physiotherapie, in der Logopädie, in der Ergotherapie und in der Pflege. Alle diese Behandlungen haben einen Nutzen für die Menschen. Sie führen dazu, dass Patient*innen sich besser fühlen, dass Schmerzen und Beeinträchtigungen verschwinden, Erkrankungen geheilt oder gelindert werden. Ganz wichtig ist das zum Beispiel in der Schlaganfallbehandlung.
Gesundheitsfachberufe helfen dabei, dass Menschen ein möglichst gesundes Leben führen können. Und das ist nicht nur im Privaten gut, sondern auch für das Arbeitsleben. Das ist für jede*n einzelne*n schön und auch für das Funktionieren unserer Gesellschaft wichtig.
Der Fachkräftemangel in den Pflege- und Gesundheitsberufen ist riesig, und das schon seit Jahren. Zu wenig Personal, keine Pausen, mehrere Schichten hintereinander, Zurückholen aus dem „frei“ - all das ist Alltag in der Gesundheitsversorgung. Patient*innen bekommen keinen Therapietermin, sie müssen Wochen auf ihre „Physio“ warten oder weite Wege in Kauf nehmen.
In der Corona-Pandemie ist alles noch komplizierter geworden. Die Belastung ist enorm gestiegen, für Patient*innen und für die Menschen, die in den Gesundheitsfachberufen arbeiten. Die demografische Entwicklung und etliche fundierte Prognosen mahnen uns, dass der Fachkräftemangel noch schlimmer werden wird. Das können wir so nicht laufen lassen.
Wir brauchen junge Menschen, die aus Überzeugung einen dieser Berufe ergreifen. Und wir dürfen ihnen keine unnötigen Hindernisse in den Weg legen. Eine große Hürde: Die Auszubildenden müssen nicht nur Motivation, sondern auch noch eigenes Geld mitbringen.
Für viele Familien und Auszubildende ist das ein Problem. Es gibt keine Statistiken darüber, wie viele junge Menschen ihren Traum-Ausbildungsberuf nicht umsetzen können, weil sie Geld verdienen müssen. Aber ich versichere Ihnen, wenige sind es nicht. Also werden sie Verkäuferin anstatt Physiotherapeutin, Friseur anstatt Ergotherapeut, Bürokauffrau und nicht Altenpflegerin. Damit muss Schluss sein.
Wir brauchen jeden engagierten Mann und jede motivierte Frau, die oder der eine Ausbildung in einem der vielen spannenden Gesundheitsfachberufe oder in der Pflege machen möchte. Wer für die Gesundheit anderer Menschen arbeitet, sollte nicht für die eigene Ausbildung bezahlen müssen. Wir müssen heute säen, damit wir morgen und übermorgen ernten können.
Deshalb haben wir in Schleswig-Holstein als erstem Bundesland die Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen kostenfrei gestellt und das setzen wir fort. Für 2022 erhöhen wir den Platzkostensatz um 50 Euro und stocken über das SHIBB die Förderung der Gesundheitsfachberufe und der Pflegeausbildung auf. Zusätzlich investieren wir in das Studium der Pflegepädagogik und legen mit 500.000 Euro einen neuen Pflegecampus auf.
Die Kostenfreiheit der Ausbildung ist das eine. Eine ausreichende Zahl an Ausbildungsplätzen ist das andere. Wir müssen beides zusammen denken und dafür Sorge tragen, dass es genug Ausbildungsplätze gibt. Wir sollten nicht darauf vertrauen, dass der freie Markt allein es richten wird. Lassen Sie uns gemeinsam sicherstellen, dass jede und jeder eine Ausbildung in der Pflege oder einem der Gesundheitsfachberufe machen kann. Sorgen wir dafür, dass das kein schöner Traum bleiben muss, sondern Wirklichkeit werden kann.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Fraktion SH


