Echte Willkommenskultur

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 19 – Interkulturelle Kompetenz in der Verwaltung

Dazu sagt die Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Eka von Kalben:


Wir wollen den abstrakten Begriff „Willkommenskultur“ mit Leben füllen. Und fangen damit ganz unmittelbar in unserer Verwaltung an. Unsere Verwaltung und unsere Landesbediensteten sind das Aushängeschild dieses Landes, deshalb ist es auch sinnvoll mit einer gelebten Willkommenskultur hier anzusetzen.

Meine Kollegin Midyatli hat schon sehr deutlich gemacht, dass wir mehr Menschen mit Migrationshintergrund in der Verwaltung brauchen. Doch es geht um mehr.

Auch die MitarbeiterInnen ohne Migrationshintergrund brauchen ausreichende interkulturelle Kompetenz. Egal ob in der Justiz, in den Ministerien, bei der Polizei, egal, ob draußen im Kontakt mit den BürgerInnen oder in der Amtsstube.

Unser öffentlicher Dienst soll vermitteln: Wir leben, was wir sagen. Wir heißen die Menschen in unserem Land willkommen. Und da reicht es nicht, dass ein Polizist an der Grenze ein paar Brocken dänisch lernt, falls mal ein jugendlicher Delinquent eine pfandfreie Dose klaut.

„Willkommenskultur“ soll für alle MitarbeiterInnen - ganz unabhängig von ihrer oder seiner Herkunft in ganz Schleswig-Holstein selbstverständlich sein.

Dazu gehört nicht nur, dass sprachliche Barrieren abgebaut werden und Mehrsprachigkeit ein positives Einstellungskriterium im öffentlichen Dienst wird oder grundlegende Informationen in mehreren Sprachen zur Verfügung stehen. Da ist in den letzten Jahren schon viel geschehen.

Kulturelle Verständigungsschwierigkeiten sind viel subtiler. Sie müssen bewusst gemacht und abgebaut werden. Interkulturelle Kompetenz muss daher auch als fachliche Kompetenz anerkannt werden.

So kann es zum Beispiel bei Vernehmungen auf Grund kultureller Missverständnisse zu Missverständnissen und damit unter Umständen auch zu Fehlurteilen kommen kann. Es ist nicht immer nur eine Frage des Dolmetschens. Es gibt auch eindeutig kulturelle Unterschiede in der Art, Sachverhalte darzustellen, zwischen einer Bewohnerin auf Pellworm und einer Zugereisten aus Sizilien.

Dafür können wir mit Schulungen und Fortbildungen bei den MitarbeiterInnen. Aber auch hier gilt es genau hinzusehen, dass nicht alte Klischees und paternalistische Stereotype benutzt werden, ein paar Unterschiede zu erklären. Nichts wäre fataler als wenn wir zukünftig Gebrauchsanweisungen für ChinesInnen, TürkInnen und IsländerInnen hätten.

Integrationsfähigkeit und Integrationswilligkeit geht uns alle an. Es geht um die Überwindung von Unterschieden, insbesondere in der Zuschreibung, ohne die Vielfalt zu verlieren. Wir wollen echte Vielfalt, in der das Nebeneinander von Kulturen und Identitäten seinen Platz hat und reflektiert wird.

Das ist nicht immer leicht. So stellte sich mir jüngst die Frage, ob es eigentlich passend ist, bei einer Einbürgerungszeremonie das Schleswig-Holstein-Lied zu singen, das kaum jemand singen konnte und den Eingebürgerten natürlich besonders fremd war.

Doch ich bin davon überzeugt, dass ein Miteinander der Kulturen gerade dann gut funktionieren kann, wenn jede Kultur auch ihre eigenen Werte pflegt und erhält.

Interkulturelle Öffnung bedeutet auch hinzusehen, wo Kooperationen mit Migrantenselbstorganisationen noch verstärkt werden können. Wir brauchen eine Zusammenarbeit mit MigrantInnen, nicht nur für MigrantInnen.

Noch viel wichtiger ist aber, die interkulturelle Öffnung in den allgemeinen Strukturen der Verwaltung zu verankern. Daher gilt für die Organisationsentwicklung, das Qualitätsmanagement, die Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit in unseren Behörden: In allen Bereichen brauchen wir eine interkulturelle Öffnung und Perspektive.

Interkulturelle Öffnung ist nicht Selbstzweck und nicht nur Propaganda kuschliger Multikultis. Sie ist Integrationspolitik, Gesellschaftspolitik, aber auch Verwaltungsmodernisierung.

Wir wollen unserer multikulturellen Gesellschaft im öffentlichen Dienst ein Gesicht geben. Verwaltung muss Spiegel gesellschaftlicher Vielfalt sein.

 

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